Ist „Smart Home“ nur eine kleine Spielerei der großen Schwester „CAFM“? Betrachtung von Smart-Home und CAFM

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Digitalisierung und intelligente Vernetzung sind heutzutage in der Immobilienbranche nicht mehr wegzudenken. Auch im Facility-Management und sogar in den privaten Haushalten ist dieser Trend mittlerweile stark im Kommen.
Nach diesem Artikel werden Sie wissen, was es mit CAFM auf sich hat und in welchem Zusammenhang es mit Smart Home steht. Dazu werden wir zunächst einmal die beiden Systeme einzeln betrachten; gehen dann näher auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede ein und beantworten schließlich die anfangs gestellte Frage.


CAFM – ein Raumbuch für gewerbliche Einrichtungen


Heutzutage besteht das Facility-Management aus einer systematischen Verwaltung und Bewirtschaftung von Gebäuden und erstreckt sich über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes, von der Planung und dem Bau über die Nutzung bis zum Abriss.
Um dieses fächerübergreifende Management zu unterstützen wurde CAFM (Computer Aided Facility-Management) entwickelt. Dieses System übernimmt die Aufgabe des Gebäudemanagements in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen durch Anwendung von IT-Werkzeugen zur computergestützten Verwaltung, Organisation und Steuerung von Arbeitsprozessen.
Man muss grundsätzlich zwischen CAFM-System und CAFM-Software unterscheiden. Das CAFM-System wird als Komplettlösung für die Unterstützung der Prozesse im Betrieb bezeichnet und stellt zunächst einmal eine Informationsplattform da. Es besteht aus einer CAFM-Software (ggf. auch anderen Software) und Schnittstellen zu anderen Systemen. Somit kann man das System individuell auf den Nutzer anpassen. Die CAFM-Software ist nur ein Teil des Gesamtsystems, kann jedoch für die spezifischen Anforderungen des Facilitymanagers sehr hilfreich sein. Sie deckt die Anwendungsschwerpunkte des technischen, infrastrukturellen und kaufmännischen Facility-Managements ab.
Die Grundlage für das CAFM-System ist ein Raumbuch, in welchem die Basisdaten der verwalteten Liegenschaften und der Gebäude vorhanden sind. Wichtig zu beachten sind dabei die verpflichtenden Mindestkriterien für ein CAFM-System, welche von der GEFMA 444 vorgegeben werden. Dabei legen sie den Grundstein fest mit mindestens einen Basiskatalog, das Flächenmanagement und das Instandhaltungsmanagement.
Zusammenfassend kann man sagen, dass ein CAFM System eine Entscheidungsgrundlage und Informationszusammenfassung für alle Beteiligten an der Gebäudeverwaltung bildet. Des Weiteren kann durch Schnittstellen zu anderen Systemen der Datenaustausch noch erweitert werden. Der Hintergrund soll hierbei vor allem die Aufdeckung von Nutzenpotenzialen und eine Effizienzsteigerung sein.


Smart-Home – Gebäudeautomation zur Erleichterung des Alltags


Der Begriff Smart-Home existiert schon länger, jedoch hat der wirkliche Durchbruch lange nicht stattgefunden. Per Definition bezeichnet man „Smart-Home“ als einen Haushalt, in dem Haushalts- und Multimedia-Geräte interagieren und zentral ferngesteuert werden können. Manche betiteln es auch als vernetztes Zuhause, welches auf die Kunden schließen lässt. Es sind die Privatpersonen, die Geräte und Systeme kaufen, um sie an ihre persönlichen Bedürfnisse anzupassen. Dabei steht vor allem die Erhöhung der Lebens- und Wohnqualität im Vordergrund. Weitere Anwendungsgebiete sind Gebäudesicherheit und Energiemanagement in Form von Erfassung, aber auch Regelung von Heizungsanlagen oder Lüftungssystemen.


Die Grundlagen des heutigen Erfolgs sind die vernetzte Steuerung der Heizungsanlage und die Fernsteuerung von Jalousien, jedoch erst mit dem Triumph des Smartphones kann sich das Smart-Home auf einem größeren Markt durchsetzen. Aufwendige und teure Verkabelung wird abgelöst durch Drahtlos-Netzwerke wie WLAN, die Funksteuerung via Bluetooth und intelligente Steckdosen und Schalter.
Durch steigende Energiekosten beginnt ein Umdenken beim Energieverbrauch, wovon der Smart-Home-Markt ebenfalls profitiert. Viele Unternehmen haben die neue Marktlücke erkannt und drängen unausweichlich auf den Markt. Große Konzerne bis hin zu Start-ups und auch Energieanbieter und Telekommunikationsanbieter wollen dieses Potenzial ausnutzen und bringen ihre Produkte auf den Markt. Eine Vielzahl von Anbietern setzt auf ihre eigenen, proprietären Produkte und Smart-Home-Lösungen, jedoch geht der Trend mehr noch auf gemeinsame Plattformen wie „Qivicon“, wo der Schwerpunkt auf Interoperabilität liegt. Dort ist es nämlich möglich unterschiedliche Standards und Produkte untereinander zu integrieren und macht die Erweiterung deutlich einfacher und attraktiver für den Kunden.
Für die Zukunft wird prognostiziert, dass die Aussichten für Smart-Home ziemlich vielversprechend sind. Man geht davon aus, dass sich in den nächsten zehn Jahren der Einbau von der Smart-Home-Fähigkeit zum Standard bei Neubauten entwickeln wird. Dies zeigt sich vor allem bereits in den USA, die in dem Bereich weltweiter Spitzenführer sind. Aber auch in Europa ist dieser Trend schon angekommen, wie man an den skandinavischen Ländern sieht. Die Autoren Alfons Botthof, Dr. Thomas Heimer und Dr. Hartmut Strese von „SmartHome2Market“ sind sich sicher: „Die intelligente Vernetzung von Häusern und Wohnungen wird sich in den kommenden Jahren weltweit von einem Nischen- zu einem echten Massenmarkt entwickeln.“


Eng verwandt mit „Smart-Home“ ist das „Smart Metering“. Dies sind intelligente Zähler, welche den Verbrauch von Strom, Wasser und/oder Gas ablesen und ins Kommunikationsnetz stellen, wo Energieversorger die Daten direkt auslesen können. Das Kommunikationsnetz ist meistens das Festnetz oder der Mobilfunk, kann aber auch das lokale Netzwerk sein. Mithilfe dieser Option sollen den Endkonsumenten von der Tageszeit abhängige und ggf. billigere Energiekosten angeboten werden, um damit dem Energieversorger im Gegenzug die Option zu geben, die vorhandene Energieproduktion besser auszunutzen sowie Investitionen für Spitzenlastausbau zu vermeiden oder zurückzustellen. Durchgesetzt hat sich dieses System aber noch nicht aufgrund hohen Sicherheitsstandards bei der Datenauslese und -übertragung, welche das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik vorgibt. Jedes Smart-Meter muss zur Verschlüsselung der Daten einen Hardware-Chip verwenden, der sich von allen anderen eingesetzten Chips unterscheidet. Per Gesetz sind neue intelligente Stromzähler allerdings bereits vorgeschrieben, aber nur für diejenigen, die mehr als 10.000 Kilowattstunden Strom jährlich verbrauchen.


Nun stellt sich die Frage: Gibt es überhaupt Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Systemen?


Zunächst einmal sehen beide Systeme komplett unterschiedlich aus, schaut man sich nun aber die Umsetzung der Datenauslese an, fällt einem schnell auf, dass dies fast Hand in Hand identisch ist.
Man kann sagen, dass beide Systeme aus den gleichen intelligenten Datenpunkten bestehen. Diese lassen sich in vier Kategorien aufteilen:
1. Digitaler Eingang Zur Erfassung von Meldungen und Zuständen (Störmeldungen, Betriebsmeldungen, Wartungsmeldungen, usw.)
2. Digitaler Ausgang Zur Steuerung von Funktionen und Anzeigen von Zuständen (Ein/Aus, Start/Stopp, Alarm, usw.)
3. Analoger Eingang Zur Messung (Temperaturen, Stellungen, Geschwindigkeiten, usw.)
4. Analoger Ausgang Zur Regelung/ Steuerung (Ansteuerung von Ventilantrieben, Dimmen von Lampen usw.)


Um diese Datenpunkte zu verbinden, gibt es wieder zwei Möglichkeiten: Kabel-basierte und Funk-basierte Systeme.
Funk-basierte Systeme sind im Privatgebrauch meist die beliebteren, da sie kostengünstiger sind und keine baulichen Maßnahmen benötigen. So ist man jederzeit (Hauptaugenmerk liegt hier im Bestand) in der Lage Systemerweiterung durchzuführen und Systeme umzubauen. Sie benutzen das drahtlose Netzwerk, in Form von WLAN oder Steuerung über Bluetooth. Dies macht sie jedoch aber auch störungsanfälliger und vor allem bieten sie gute Angriffsflächen für Hackerattacken. Fällt das Netz dann mal aus, funktioniert auch leider die Hausautomation nicht mehr.


Die Kabel-basierten Systemkomponenten kommunizieren immer über ein Bussystem, welches in Wand, Decke und Fußboden überwiegend bei Neubau installiert wird. Die Zentrale sitzt demnach im Schaltschrank. Der Einbau ist ziemlich kostspielig und kann nur durch einen Spezialisten durchgeführt werden. Nachrüstung ist ebenfalls sehr aufwendig, da meist Wände aufgerissen werden müssen und sollte daher vermieden werden. Ist das System jedoch einmal installiert, läuft es störungsfrei und sicher, was es wiederum sehr attraktiv macht. Gerade für Unternehmen bietet sich dieses System an, da eine Hackerattacke nahezu ausgeschlossen werden kann, solange vorsätzlich dieses System genutzt wird.
In der heutigen „digitalisierten“ Zeit bekommt die mobile Nutzung sowohl bei Smart-Home als auch bei CAFM einen wichtigen Aspekt. In Fachsprache ausgedrückt heißt es „Cloud-Computing-Modell“ und steht im Kontrast zum „Client-Server-Modell“ und dem „Web-Browser-Modell“. Das „Client-Server-Modell“ ist das erste entwickelte Modell und impliziert, dass der Nutzer nur mittels eines Servers (alle Datenbanken und Dienste liegen auf diesem Server) auf das ganze System zugreifen. Diese Methode ist mittlerweile komplett veraltet und überholt und findet weder im CAFM noch im Smart-Home noch eine Anwendung. Die neuere Variante ist das „Web-Browser-Modell“, bei dem neben der Datenbank einzig ein Internetbrowser zum Eingeben und Abrufen der Daten benötigt wird.


In jetziger Zeit wird vor allem auf „Cloud Computing“ gesetzt, wo die Cloud das Internet darstellt. Man könnte also davon sprechen, dass alle Datenbanken und Dienste im World Wide Web liegen und man dieses als Server oder auch PC nutzt. Dies macht den Zugriff relativ leicht, da man von überall her die Daten bearbeiten kann, jedoch birgt es auch Risiken mit dem Stichwort: Cyber-Security und ungewollter persönlicher Datendiebstahl. Sowohl Privatkunden als auch gewerbliche Kunden fürchten sich vor dem Auslesen der Daten von den Betreibern der Systeme und diese Daten könnten dann weitergegeben und für andere Auswertungen genutzt werden. Außerdem tritt ein sofortiges Systemversagen ein, wenn das Internet mal ausfällt und die relevanten Systemdateien in der Cloud liegen. Dieses Problem existiert bei Smart-Home-Systemen sowie als auch bei den neueren CAFM-Systemen, welche mittlerweile auch auf Cloud-Computing aufbauen.


Kommen wir nun zu dem wichtigsten Teil: den Unterschieden


Der wohl wichtigste Unterschied zwischen beiden Systemen ist der Fokus, worauf sie sich spezialisieren. Steht Smart-Home rein für das Wohnhaus und die Gebäudeautomation, bezieht sich CAFM ganz auf den gewerblichen Bereich. Dementsprechend findet Smart-Home sich im B2C (Business-to-Consumer) wieder und CAFM im professionellen Bereich. Daraus lässt sich direkt schließen, dass CAFM einen viel weitgreifenden Bereich abdecken muss als die Smart-Homes.


Wichtig ist auch zu beachten, dass das reine CAFM nicht für Gebäudeautomation steht, sondern erst einmal tatsächlich nur für die Informationsbereitstellung. Natürlich liegt nahe, dass aufgrund dieser Informationen digitalisierte Gebäudeautomation leichter eingebaut werden könnte, wie z.B. die Einzelraumregulierung durch Heizungs- und Lüftungssteuerung. Dabei müssen zusätzliche Sensoren und Aktoren im System eingebaut werden. Smart-Home geht eins-zu-eins zwischen Gebäudeinformation und Gebäudeautomation. Man könnte sogar genauer betrachtet sagen, dass Smart-Home eher für die Gebäudeautomation steht und die Gebäudeinformation nur das Mittel zum Zweck ist.


Man sieht also deutlich eine Unterscheidung in dem Prinzip des Nutzens. Begutachten wir nun anschließend nochmal die System-Umsetzungen.
Ist die Datenauslese gleichermaßen ähnlich, unterscheiden sich beide Systeme jedoch vor allen in den Schnittstellen. CAFM setzt dabei deutlich auf offene Schnittstellen, wie CAFM-connect. CAFM-connect ist ein freies und kostenloses Softwareprogramm zur Erfassung von Gebäuden und deren Bauteilen und Dokumenten auf Basis der BIM-Profile (Building Information Modeling: bezeichnet eine Arbeitsweise, Bauwerke anhand eines digitalen Gebäudemodells über ihren gesamten Lebenszyklus mit all ihren relevanten Informationen abzubilden) und setzt sich für einen einheitlichen und offenen Datenstandard auf IFC Basis ein (Industry Foundation Classes: ein offener Standard im Bauwesen). Es wurde durch eine Initiative vom Verband für die Digitalisierung im Immobilienbetrieb ins Leben gerufen. Dadurch können viele Hersteller mit verschiedener Software sich untereinander verknüpfen und somit das Optimum für Facility-Management gewährleisten. Voraussetzung ist lediglich eine Kompatibilität der Software. Danach ist es ohne Installation als Viewer oder Editor auf jedem Arbeitsplatz nutzbar und somit sehr einfach im Handling. Die Smart-Home-Unternehmen setzen hingegen auf eine eigene Programmierschnittstelle. Meist funktioniert ein Smart-Home-System am ehesten, wenn man auf proprietäre Systeme setzt, gerade wenn man sich für rein Funk-basierte Systeme interessiert. Jedoch gibt es dort auch schon Trendbewegungen in Bezug auf gemeinsame Plattformen wie bereits weiter oben erwähnt.


Um nun die anfängliche Frage zu beantworten, ob Smart-Home nur eine kleine Spielerei im Vergleich zu CAFM ist, berufen wir uns wiederholt auf die Bereiche, welche von den Systemen abgedeckt werden. Dabei wird eins vor allem klar: CAFM wäre der Triumphator, wenn es nach der Anzahl der abgedeckten Bereiche gehen würde. Es beinhaltet alle notwendigen Informationen, um die ganzheitliche Verwaltung und Bewirtschaftung von Gebäuden zu betreiben, wie z.B. Inventarisierung, Mietobjektverwaltung oder Workflowmanagement, und geht darüber gehend hinaus, indem es z.B. die Energieeffizienz mittels Gebäudeautomation fördert, um von den gewonnenen Daten Nutzen zu beziehen. Dies kann und muss das Smart-Home gar nicht abdecken, da es vor allem nur für die Komfortsteigerung steht. Jedoch entwickelt sich Smart-Home mittlerweile darüber hinaus und legt das Augenmerk auf Energieeffizienz, Gebäudesicherheit und andere Bereiche. Dies ist der Punkt, wo man deutlich erkennt, dass Smart-Home mittlerweile mehr als nur eine Spielerei für seine Kunden ist. Mit Smart-Home kann man sein „Haus verwalten“, Energieeinsparpotenziale aufdecken und in Zukunft sicherlich neue Bereiche bewirtschaften. Dies trägt im Umkehrschluss dann dazu bei, dass man mit Smart-Home langfristig Kosten einsparen kann.


Abschließend fällt auf, dass beide Systeme für denselben Zweck, dem Management eines Gebäudes, ausgelegt sind. Allerdings wollen sie unterschiedliche Interessenten ansprechen. Während CAFM für den gewerblichen Teil ausgelegt ist, glänzt Smart-Home eher im privaten Bereich. Jedoch können Smart-Home-Systeme auch auf den gewerblichen Bereich angewendet werden, beispielsweise bei Bürogebäuden und Schulen, allerdings müssten diese immer aufgrund der Gebäudeverwaltung von einer CAFM-Software unterstützt werden. Nicht umsonst haben heutzutage viele CAFM-Systeme auch eine Smart-Home-Fähigkeit als Angebot im System. Wichtig ist hierbei nochmals zu betonen, dass durch die fortschreitende Digitalisierung in der Immobilienbranche die Datenauslese und die Gebäudeautomation kaum noch wegzudenken ist, gerade wenn es um den Neubau geht. Von daher sollte mehr Augenmerk auf diese beiden Systeme zur Unterstützung des Facility-Managements der privaten Haushalte gerichtet werden.