Konstanz Stadtbild

Konstanz – Auf den Spuren der Moderne in der Bodenseestadt

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Mit über 84.000 Einwohnern gilt Konstanz nicht nur als die größte Stadt am Bodensee, sondern auch als eine der geschichtsträchtigsten Städte des Deutschen Südens. Aufgrund der unmittelbaren Nähe zur Schweiz blieb die Stadt von den Kampfhandlungen und Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs nahezu verschont. So reichen auch die Bauwerke und Sehenswürdigkeiten Konstanz fast soweit zurück wie die Geschichte der Stadt: Vom spätantiken Römerkastell über die mittelalterlichen Patrizier- und Zunfthäuser bis hin zu großen zusammenhängenden Jugendstil- und Gründerzeitensembles sind hier die diversen architektonischen Ausprägungen zu finden. Abseits davon möchten wir Ihnen in diesem Artikel drei Gebäude vorstellen, die unverkennbar den Stil der (Nachkriegs-) Moderne widerspiegeln.

Der alte Wasserturm   

Gelegen am oberen Ausfluss des Rheines aus dem Bodensee umfasst Konstanz eine Gesamtstadtfläche von über 54 km2. Dabei ist die Stadt in 15 Stadtteile gegliedert und hat als ehemaliger Bischofssitz ein reiches sakrales Erbe vorzuweisen, welches das Stadtbild (insbesondere die Altstadt) deutlich prägt. So sind neben dem Konstanzer Münster und der einstigen Bischofskathedrale eine lange Reihe an Kirchengebäuden, ehemaligen Klöstern und Domherrenhöfen zu finden. Aber auch eine Vielzahl an frühmittel- und mittelalterlichen Gebäuden wie das Konzil-Gebäude, sowie diverse Bauten im Jugend- und Barockstil zieren das Stadtbild.

Wendet man seinen Blick jedoch ab von den historischen Bauten und folgt den Spuren der modernen Architektur in Konstanz, so stößt man auf eine markante Landmarke, die von weiten Teilen des Bodensees aus sichtbar ist: Der Otto-Moericke-Turm. Der 40 Meter hohe Wasserturm, der 1929 errichtet und nach dem damaligen Bürgermeister Otto-Moericke benannt wurde, geht auf die Pläne des Konstanzer Baumeisters Paul Jordan (1876-1966) zurück. Erbaut als Stahlbeton-Skelettbau beherbergt der Turm neben dem 300m3 fassenden Wasserbehälter sieben gleichartige Wohngeschosse, die seit der Errichtung als Jungendherberge (56 Zimmer, über 200 Betten) genutzt werden. Im Zweiten Weltkrieg diente das Bauwerk zwischenzeitlich als Luftschutzbunker und Fernmeldeturm, blieb aber wie die meisten Teile Konstanz unbeschädigt. Nachdem der Turm 1990 seine technische Funktion als Wasserreservoir verlor, dient er seither nur noch als Jungendherberge und Tagungsort. Als Besonderheit des Otto-Moericke-Turms gilt neben seiner zylindrischen Form der rundum verglaste, polygonale Dachaufbau, der heute als Aussichtskanzel einen weitreichenden Blick über das Konstanzer Umfeld bietet. [1]

Otto-Moericke-Turm Konstanz
Otto-Moericke-Turm / Quelle: jugendherberge.de

Wussten Sie schon? Das Bodenseewasser kann man trinken. Jedes Jahr werden 180 Millionen Kubikmeter Trinkwasser aus dem Bodensee gewonnen. Die Trinkwasserqualität gilt dabei als hervorragend.

Zeichen und Einflüsse des Bauhauses in Konstanz

Darüber hinaus sind in Meersburg zwei der frühsten Bauten der Nachkriegsmoderne in Deutschland zu finden, die auf den Architekten Hermann Blomeier zurückgehen. Als Absolvent des Bauhauses Dessau (1930-1932) und ansässig in Konstanz ab 1933 prägen seine Gebäude – anlehnend an den Bauhausstil – bis heute das Stadtbild. „Hermann Blomeier stand in direkter Verbindung mit dem Bauhaus und war einer der wenigen, vielleicht der einzige Vertreter dieser neuen Richtung, den es nach Konstanz verschlagen hatte“. [2] Im Volksmund auch „Möve“ genannt, spiegeln die Wartepavillons von 1951 am Konstanzer Fährhafen sowie die Ländebauten in Konstanz-Staad (1952-1953) unverkennbar den damals auftreibenden Baustil wider: Mit ihren überstehenden Dachabschlüssen, den schmalen Stützelementen und einer nahezu durchgehenden Glasfassade wirken die runden Caféhäuser nahezu schwerelos. Auch die Pilzsäulen und die gebogenen Treppenläufe im Inneren der Pavillons setzen die Bauhaus-typische Eleganz fort. Blomeier zufolge symbolisieren die beiden Pavillons am jeweiligen Ufer die Brückenköpfe einer unsichtbaren Brücke über das Wasser, die von den Fährschiffen zwischen Konstanz-Staad und Meersburg gebildet wird.

Vereinsheim Neptun und Wessenbergschule

Gegenüber der Altstadt, am Ufer des Stadtteils Seerhein gelegen, stößt man auf ein weiteres Werk des Bauhaus-Architekten Blomeiers: Das Vereinsheim des Ruderclubs Neptun. Eröffnet 1956, ist das Gebäude an der alten Rheinbrücke durch seine klaren und geometrischen Formen geprägt. Die ausgreifenden Streben des Stahlskeletts lassen im Zusammenspiel mit den einst offenen und geschlossenen Kuben ein graziles und schlankes Erscheinungsbild entstehen. Als charakteristisches Merkmal gilt darüber hinaus auch die Sichtbarkeit der Materialen, welche als typisches Zeichen des Bauhaus-Stils gilt. Die Farbgebung – die Ausfachung aus gelbem Stein und die Skelettkonstruktion des blauen Gerüstes – gelten dabei stellvertretend für Walter Gropius (Gründer des Bauhauses) und Mies van der Rohe (Professor von Blomeier am Bauhaus Dessau). Derzeitig wird das unter Denkmalschutz stehende Gebäude zur weiteren Raumgewinnung baulich erweitert und hinsichtlich des bauhausgrechten Erscheinungsbild wiederhergestellt.

Wussten Sie schon? Im Englischen wird der Bodensee nach der größten Stadt an seinem Ufer Konstanz benannt: Lake Constance.

Auch die Wessenbergschule – ebenfalls in Konstanz-Seerhein errichtet – zählt zu den Werken Blomeiers. Das von 1966 bis 1968 erbaute Schulgebäude spiegelt trotz der kompakten Geschlossenheit und baulichen Strenge die Einflüsse des Bauhauses wider. Zu den Kernelementen gilt dabei die bauhaustypische Verbindung von Bauteilen mit offenen Gängen, raumhohe Fenster oder die teils kastenförmigen Erker in Richtung Seerhein. Auch die Stahlbetonkonstruktion sowie das prägende Ziegelsichtmauerwerk aus hellgelbem Backstein repräsentieren unverkennbar den Bauhausstil. In seinen Plänen zur Wessenbergschule, die auf die Architektur in Blomeiers Studienzeiten zurück gehen, finden sich auch Ansätze seines damaligen Studienkonzept „Hotel Kiekenstein“ im Weserbergland. [3]

Fallstudienprojekt „Moltkestraße Konstanz“ – DIPLANNER

Für ein 8671,58 m2 großes Grundstück in Konstanz Petershausen haben wir mit dem DIPLANNER, unserem KI-gestütztem Tool für Machbarkeitsanalysen, eine Fallstudie durchgeführt. Dabei haben wir unter Berücksichtigung aller baurechtlichen Parameter über 1643 Varianten zur bestmöglichen Nutzungsweise für Wohnzwecke generieren können. Aus dieser Fülle an Varianten hat unser Expertenteam anschließend die vier besten Varianten hinsichtlich der Nutzungsfläche und Baukosten ausgewählt. Die maximale Bruttogesamtfläche BGF beträgt dabei 33.400 m2, die Anzahl der ermittelten Wohneinheiten (Typen eins bis fünf) liegt bei maximal 301. Den vollständigen Bericht inklusive aller Daten können Sie unter https://diplanner.de/projektbeispiel-diplanner/ einsehen.

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[1] Jens U. Schmidt, Günther Bosch, Albert Baur: Wassertürme in Baden-Württemberg. Land der Wassertürme. Regia-Verlag, Cottbus 2009,

[2] Andreas Schwarting, Professor für Baugeschichte und Architekturtheorie an der HTWG Konstanz

[3] Hermann Blomeier: Konstanz und die Moderne: Der Architekt Hermann Blomeier. HTWG Konstanz, 2015.