Muss die HOAI im Zeitalter des digitalen Bauens neu erfunden werden?

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Die HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) ist eine Richtlinie, festgelegt vom Bund, und regelt die Bezahlung der Architekten und Ingenieure für die vorgeschriebenen Planleistungen. Sie sind verbindliches Preisrecht für das Bauwesen und Abweichungen sind nur in wenigen Fällen vorgesehen. Die aktuellste Version stammt von 2013 und wurde von dem damaligen Präsidenten der Architektenkammer Hartmut Miksch als „Durchbruch für die Architektinnen und Architekten in Deutschland“ bezeichnet. Die Frage stellt sich nun: ist die 2013er Version den Umständen der Digitalisierung und der damit verbundenen Neustrukturierung der Arbeitsweise gewachsen oder ist es zwingend notwendig diese Version zu überarbeiten oder sogar zu novellieren?

Der tiefere Sinn der HOAI ist auf der einen Seite die Sicherung der Qualität der Planung, Ausschreibung, Vergabe und Objektübergabe für die Bauherren und auf der anderen Seite die Sicherung des zufriedenstellenden Einkommens für die Architekten und Ingenieure. Wichtig ist, dass die Mindestsätze nicht unterschritten und die Höchstsätze nicht überschritten werden. Allerdings ist zu beachten, dass die HOAI nicht vorschreibt, welche Leistungsplanungen und -phasen ein Architekt zu erfüllen hat. Die in der HOAI beschriebenen Grundleistungen haben nur eine preisliche Bedeutung.


Wie setzt sich momentan der Inhalt der HOAI zusammen?

Das Honorar setzt sich zusammen aus den anrechenbaren Kosten des Bauprojektes, der Honorarzone, den erbrachten Leistungen und den Nebenkosten. Auf der Basis der Kostenermittlungen nach DIN 276 berechnen sich die anrechenbaren Kosten und beziehen sich auf den Planungsstand des Gebäudes. Dem hinzukommend berufen sich die Honorarzonen auf die Schwierigkeitsstufe des geplanten Gebäudes und errechnen sich aus der Einstufung der notwendigen Planungsarbeiten (zum Beispiel: das Honorar für ein Einfamilienhaus wird mit der Honorarzone III und dem Mittelsatz errechnet). Der dritte Parameter sind die erbrachten Leistungen, welche einen klar festgelegten Prozentsatz für die vorgeschriebenen Leistungsphasen haben, dabei sind die Planung der Ausführung und die Objektüberwachung, Bauüberwachung und Dokumentation am höchsten bewertet, während die Vorplanung mit Schätzung der Kosten und die Entwurfsplanung und Berechnung der Kosten vergleichsweise niedrig bewertet werden. Der letzte wichtige Parameter sind die Nebenkosten, welche nicht zu unterschätzen sind. Zu diesen zählen beispielsweise die Fahrtkosten, Versandkosten, Kosten für das Aufstellen eines Baustellenbüros und Telefonkosten.

Wie wirkt sich BIM nun aber auf die HOAI aus?

In der HOAI wird nicht vorgeschrieben, welche technischen Mittel angewendet werden sollen um eine Leistung zu erfüllen. Trotzdem wird in der aktuellen Auflage 2013 immer noch von der traditionellen Arbeitsweise in Form von der dokumentenbasierten Planungsmethode gesprochen („Zeichnungen nach Art und Größe des Objektes im erforderlichen Umfang und Detaillierungsgrad“ LP3 im Anhang 10), welches aber keine Voraussetzung ist. Aufgrund dessen bleibt das Leistungsbild der Architekten und Ingenieure bei Anwendung der BIM-Methode erstmal unverändert.

Trotzdem hat die Architektenkammer NRW unter dem jetzigen Präsidenten Ernst Uhlig im Herbst 2016 eine Broschüre veröffentlicht, mit Vorschlägen zu einem BIM-orientierten Leistungsbild. Im Kern wird in der Broschüre die Behauptung aufgestellt, dass BIM nicht im Zusammenspiel mit den bestehenden Rahmenbedingungen der HOAI funktionieren könnte.
Diese Aussage ist nicht ganz verkehrt. Zwar können BIM-Insellösungen (einzelne Disziplinen in BIM) ohne weitere Probleme im Planungsbild der HOAI erfüllt werden, jedoch ergeben sich bei BIG-BIM wiederrum viele Konfliktpunkte. Der erste wäre ganz klar die Vorverlagerung von Planungsleistungen in frühere Phasen. Wie weiter oben bereits erwähnt ist die prozentuale Gewichtung eher in späteren Leistungsphasen der HOAI, wie beispielsweise der Planung der Ausführung. Jedoch wird bei der BIM-Methode der meiste Aufwand in der Vorplanung betätigt, wo nur 7% vorgesehen werden. Hier fehlt die Berücksichtigung der prozentualen Bewertung des Honorars.

Ein weiterer Konfliktpunkt wäre die Verlagerung von Leistungen zwischen Objekt- und Fachplanern, die durch die BIM-Methode nicht mehr leicht in die separat festgelegten Honorartabellen einzuordnen ist. Die Datenbeschaffung zur Berechnung und Auswertung des Gebäudes wird deutlich erleichtert durch die BIM-Methode, jedoch wird die Erstellung und Qualitätsprüfung des BIM-Modells schwieriger. Außerdem gibt es durch BIM auch neue Leistungsbilder im Baugeschehen – nämlich das BIM-Management. Dieses Management ist unbedingt notwendig um die fachübergreifende Zusammenarbeit über BIM zu bewältigen. Des Weiteren können durch die BIM-Methode Grundleistungen entfallen oder sie weniger aufwendiger gestalten. Zusammenfassend kann man sagen, dass die BIM-Methode sich nicht nur auf die Leistungsphase 2 auswirkt, sondern ein fortlaufender Prozess über alle Leistungsphasen ist.

Wie kann man trotz Konfliktpunkte mit der HOAI und BIM-Methode arbeiten?

Extra für die BIM-Methode vorhergesehen gibt es beispielsweise in der LP 2 eine besondere Leistung mit der Beschreibung: „3-D oder 4-D Gebäudemodellbearbeitung (Building Information Modelling BIM)“. Jedoch kann man nicht jede Arbeitsweise mit BIM in eine besondere Leistung einordnen. Diese Vorschrift gibt eventuell auch die Möglichkeit BIM aus dem vorliegendem Preisrecht auszuklammern und nicht an die Mindest- und Höchstsätze der HOAI zu binden. Auf der anderen Seite ist dies aber nicht zulässig, da die BIM-Methode auch die Grundleistungen erfüllt und daher gehend wieder an die HOAI gebunden ist.

Der größten Konfliktpunkt „die Vorverlagerung der Planungsleistungen in frühere Phasen“ könnte umgangen werden, wenn das Architektenbüro mit einer Gesamtbeauftragung beschäftigt wird. Dort könnte intern der Arbeitsauswand für die Leistungsphasen ausgeglichen werden. Sobald aber wie üblich gesonderte Ausschreibungen gefordert werden, ist das nicht mehr möglich. Ebenso kann die Veränderung der Aufwendung zwischen den Objekt- und Fachplanern intern geregelt werden, allerdings auf gleicher Weise auch wieder nicht, wenn es verschiedene Fachplaner und kein Generalunternehmen gibt. Die Leistungen des BIM-Management müssen als besondere Leistungen beauftragt werden. Schwierig wird es trotzdem dem Mehr- und Minderaufwand dieser Leistung sorgfältig zu bewerten.

Dennoch ist deutlich geworden, dass eine Neuauflage dringend nötig wäre und BIM dringend als Planungsmethode in die HOAI miteingebracht werden muss, um auch den Umstieg für viele Büros attraktiver zu gestalten und mehr Wissen über die Arbeitsweise von BIM zu vermitteln. Man kann zwar einige Punkte mit BIM und der HOAI verbinden, jedoch könnte dies deutlich ersichtlicher für alle Beteiligten gemacht werden in Form von neuen Regelungen bezüglich des Honorars.