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Roboter in der Bauindustrie

Veröffentlicht am Posted in Allgemein

Roboter und automatische Systeme sind schon lange Bestandteil unseres täglichen Lebens und verändern unsere Lebens- und Arbeitsweise. Prozesse, die einst von Menschenhand ausgeführt wurden, weichen moderner Robotik. Ein Fortschritt der Technologie, der auch vor der Bauindustrie keinen Halt macht.

Die Bauindustrie ist gegenwärtig zwar noch eine der am wenigsten automatisierten Industrien – manuelles Arbeiten gilt als nach wie vor als der überwiegende Produktivitätsmotor. Doch langsam aber sicher erhält auch die Digitalisierung Einzug in der Baubranche. So werden aller Voraussicht nach Roboter auf lange Sicht die menschliche Arbeit erweitern, verbessern und die Produktivität steigern.

Die Baustelle als Hürde für die Robotik

Roboter zeichnen sich durch repetitive Aufgaben in einer kontrollierten, sicheren Umgebung aus. Doch jeder, der schon einmal auf einer Baustelle gearbeitet hat, weiß: Baustellen könnten nicht kontroverser sein. Zwar sind vereinzelte (Konstruktions-) Roboter in der Lage, Mauerwerk zu verlegen oder Konfektionierungsverfahren zu übernehmen. Doch um den Einsatz von Robotern wirklich effizient und profitabel zu gestalten, müssen sie in der Lage sein, sich an die Echtzeitvariabilität ihrer Umgebung anzupassen – ohne dass dabei eine Neuprogrammierung erforderlich ist.

Derzeitige Roboter-Technologien

Folgt man der Studie der Boston Consulting Group (BCG) aus 2019, so soll der Automatisierungsgrad bis 2025 um 15 Prozent erhöht werden., hauptsächlich angetrieben durch den Einsatz von Robotern. Insbesondere Routineaufgaben wie das Be- und Entladen von Maschinen automatisiert. KEWAZO, ein deutsches Start-Up mit Sitz in München, konzentriert sich dabei auf die Roboter-gesteuerte Gerüstmontage. Diese ist gegenwärtig sehr ineffizient und arbeitsaufwändig – mehr als 80 Prozent der Zeit wird für den Transport von Gerüst-Teilen während der Montage verbraucht. KEWAZO bietet dabei intelligente Roboteraufzüge für Baustellen und Industrieanlagen, die den Gerüstbau effizient ausführen.

Ein weiteres Beispiel für die technische Innovation in der Baubranche stellt der „In situ Fabricator (IF)“ der ETH Zürich dar. Die Hochschule konstruiert im Rahmen eines Forschungsprojekt einen umgebungsintelligenten, mobilen Bauroboter für die Errichtung von Bauelementen direkt auf der Baustelle. Durch Kameras, Sensoren und ein intelligentes Steuerungssystem ist er in der Lage, sich selbstständig zu orientieren, navigieren und seinen Einsatzort auf der Baustelle eigenständig zu lokalisieren. Auch auf diverse unvorhergesehene Probleme, wie bspw. Abweichungen im Materialverhalten, kann der IF reagieren.

Doch sind Roboter wirklich billiger als menschliche Arbeitskraft?

Ist der Einsatz von von Robotern günstiger als menschliche Arbeitskraft? Diese Frage ist zum derzeitigen Zeitpunkt noch schwer zu beantworten. Die Investitionskosten der Robotik sind sehr hoch, und Stand jetzt finden nur wenige Roboter Einsatz auf der realen Baustelle. Weiterführend sollte bei der Anwendung von Robotern auch immer der gesamte Lebenszyklus betrachtet werden. So stellt neben der eigentlichen Anschaffung und Inbetriebnahme auch die regelmäßige Wartung, Neu-Programmierung und Aktualisierung einen nicht unerheblichen Kostenfaktor dar. Auch der Umfang des jeweiligen Bauprojekts, bei dem Roboter zum Einsatz kommen sollen, ist ein entscheidender Kostenfaktor. Mit steigender Projektgröße steigt nicht nur die Anzahl der benötigten Roboter, auch der Umfang der Überwachung wird größer.

Letztendlich ist es noch nicht möglich, dass Roboter die menschliche Arbeitskraft vollständig ersetzen. Die Bauprozesse sind sehr komplex und erfordern eine immerwährende Flexibilität. Doch die Digitalisierung schreitet immer weiter voran – auch in der Baubranche. So wird es auch in diesem Bereich sicherlich bald zu einem Umdenken hin zu einer vollautomatisierten, digitalen und eventuell robotisierten Baustelle kommen. Bleiben wir also gespannt, was die Zeit ergibt.