Serielles Bauen – die „Platte von Morgen“

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In der deutschen Baubranche gibt es kaum etwas, was die Gemüter so stark trennt, wie das Thema „Serielles Bauen“. Die einen sehen es als große Chance schnell und kostengünstig neuen Wohnraum zu schaffen; die anderen verspotten es, aufgrund der bisherigen schlechten Erfahrungen aus der Zeit der DDR. In den 1970er Jahre gab es nämlich in Deutschland, besonders Berlin, die erste Periode des seriellen Bauens – den Plattenbau. Dieses Wort hat eine sehr negative Erscheinung und ruft sofort ganze Viertel mit grauen Betonklötzen in den Kopf, wo Menschen sehr eng leben, trist und schwer. Der Umfang dieses Plattenbautrends soll natürlich nicht wiederaufkommen, jedoch ist die Idee, die dahintersteckt, unheimlich wichtig für die aktuelle Lage des deutschen Wohnungsmarktes. Dieser ist weiterhin geprägt von der Schwierigkeit für Haushalte mit niedrigen, sogar mittlerweile mit mittleren, Einkommen eine bezahlbare Wohnung zu finden. Die Wohnungsknappheit findet man an erster Stelle in Ballungszentren und Hochschulstandorten. Das darauf reagiert werden muss, weiß mittlerweile auch die Bundesregierung, welche in den letzten Jahren die soziale Wohnraumförderung auf 1 Milliarde Euro erhöhte und bis 2020 sogar auf 2 Milliarden Euro erhöhen möchte.

Das Funktionsprinzip von seriellen Bauen: Gebäudemodule

Serielles Bauen bedeutet in erster Linie: Bauen in Serie. Industrielle Vorfertigung und Montage auf der Baustelle sind hierbei das Stichwort. Es soll die Ergänzung zu der Einzelfertigung auf der Baustelle werden. Nicht mehr jeder Stein soll auf Stein gesetzt werden, sondern es werden Prototypen entwickelt, die deutschlandweit schnell und kostengünstig in Serie umgesetzt werden können. Diese soeben erwähnten Prototypen darf man jedoch nicht verwechseln mit einem ganzen Typ eines Gebäudes wie beispielsweise den Plattenbau. Im Gegensatz dazu sind Prototypen nämlich an dieser Stelle Gebäudemodule, welche standardisiert in Modulbauweise vorgefertigt und in Serie gebaut werden. Ein Modul kann dabei ein Balkon, ein Bad oder auch nur eine Wand sein. Diese Gebäudemodule lassen sich dann auf der Baustelle sehr leicht zusammenfügen und somit erscheint ein Gebäude dann doch als Unikat und nicht als Typenbau. Der Baustoff muss auch nicht zwingend Beton sein. Sehr gut umsetzbar ist ein modulares Bausystem z. B. mit Stahlkonstruktionen als Skelettbauweise. Weitere Materialien wären z. B. auch Holz, Ziegelsteine und Kalksandsteine.

Wertlegung auf Architektur

Dem zu Folge legt das neue serielle Bauen Wert auf hohe architektonische und städtebauliche Qualität. Dies liegt an erster Stelle daran, dass es erstmal nur zur Verdichtung der Städte angewendet werden soll. Dabei wird besonders Augenmerk daraufgelegt, dass der Neubau sich seinem Umland anpassen muss. Es wird an dieser Stelle eine Flexibilität der Wohnbauten gefordert, wegen der unterschiedlichen Standortbedingungen zwischen den verschiedenen Städten und eine Berücksichtigung aller baukultureller Belange.

Größter Vorteil des seriellen Bauens: Zeiteinsparungen

Der wichtigste Vorteil vom seriellen Bauen ist sicherlich die kürzere Bauzeit. Da Decken, Wände, Dächer, etc. im Fertigteilwerk vorproduziert und anschließend auf der Baustelle nur noch montiert werden, ergibt sich eine immense Zeiteinsparung. Die Wartezeit der Betonverhärtung, Montierung der Schalung und Bewehrung und der Betonier-Arbeit selbst entfällt. Durch die Bauzeiteinsparung gib es natürlich proportional eine Baukosteneinsparung. Läuft die Baustelle schneller ab, spart man an Baustellen- und Lohnkosten. Jedoch wird öfters nicht gegengerechnet, dass die Materialkosten, Installationskosten und die Transportkosten sich auch summieren und auf einen beachtenswerten Betrag kommen. Es rentiert sich bisher nur, wenn eine bestimmte Mindestmenge an Fertigteilen benötigt wird. Die Potenziale sind nämlich umso höher, je höher die Anzahl der Gebäude ist, die gebaut oder renoviert werden. Jedoch ist das in der Stadt meistens begrenzt durch die kleine Grundstücksgröße oder das geringe Investitionsvolumen. Ein weiterer negative Faktor ist die geringe Flexibilität bei Änderungswünschen und späteren baulichen Veränderungen, die erhebliche Kosten verursachen. Die Fertigteilwände haben schon vollständig verlegte Versorgungsleitungen und bekommen diese nicht erst auf der Baustelle. Änderungswünsche sollten aber schon im Vorfeld behoben sein, sofern ein Bauunternehmen auf die BIM-Methodik setzt und bereits vor Baubeginn die Planung abgeschlossen hat.

Zusammenfassend wird deutlich, dass die Aussage über das serielle Bauen bezogen auf den Plattenbau sehr überspitzt ist. Natürlich gibt es gewisse Einschränkungen in der Gestaltungsfreiheit durch die standardisierten Elemente, den Wiederholungsgrad und dem verstärkten Einsatz von Fertigteilelementen, jedoch wird kein Neubau dem Nächstem ähneln. Vielmehr fügt sich das serielle Bauen dem digitalen Planen und Bauen an. Durch die Verwendung eines BIM-Modells werden die Informationen für die Fertigteile der einzelnen Module ausgelesen und anschließend produziert. Dies spart enorm Zeit und Geld. Durch den digitalen Zwilling lässt sich auch der optische Eindruck auf das Umfeld darstellen, sodass die architektonische Qualität nicht darunter leiden muss. Abschließend zeigt sich also, man muss keine Angst haben in nächster Zeit wieder vermehrt den Bau von Plattenbausiedlungen zu sehen.